Unklar, „unmoralisch“, unrichtig Viel Kritik an Text für Gedenktafel in der Bezirksvertretung Cronenberg.

Unklar, „unmoralisch“, unrichtig

Viel Kritik an Text für Gedenktafel in der Bezirksvertretung Cronenberg.

Cronenberger Woche 3/4.2.2017 S. 16

https://www.cronenberger-woche.de/media/2017/02/Gesamt.pdf

„Dieser Punkt ist schon fast historisch“, sagte Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé am Mittwochabend in der Bezirksvertretung (BV) Cronenberg: Bereits vor über zwei Jahren hatte sich das Stadtteilparlament für eine Gedenktafel an das Burgholz-Massaker, bei dem im Frühjahr 1945 30 sowjetische Zwangsarbeiter im Burgholz von den Nazis ermordet wurden, ausgesprochen. In der ersten Sitzung 2017 lag nun der Entwurf der Stadt dafür vor.

Was lange währte, war damit gut? Überhaupt nicht!

Vize-Bürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky (CDU) blieb mit seinem Dank an die Adresse des Leiters des Historischen Zentrums, Dr. Eberhard Illner, allein. Nachdem Illner den Entwurf des Gedenktextes und die umfangreiche Recherche dazu erläutert hatte,war die Kritik im Stadtteilparlament groß. SPD-Vorsitzender Oliver Wagner bemängelte, dass der Eingangssatz völlig unverständlich sei: „Wenn das ein normaler Schüler liest, dann verliert er die Lust“, regte Wagner an, den Text verständlicher zu formulieren.

Die Bezirksvertreter Dirk Walraff (Grüne) und Hartmut Kissing (Linke) bemängelten, dass der Textentwurf eine Einbettung in den politischen Kontext vermissen lasse, also die Gewaltherrschaft der Nazis zu wenig thematisiert werde.

Dann kam’s aber noch „dicker“ für den Entwurf der Stadt.

Auf Antrag der Linken erhielt Lieselotte Bathia Rederecht. Bathia ist die Tochter eines Kriminalbeamten, der an dem Massaker beteiligt war, und seit vielen Jahren mit dem Verein „Spurensuche“ engagiert, das Gedenken wach zu halten.

„Von einer Gedenktafel kann man nicht sprechen“

Lieselotte Bathia schloss sich der Kritik von Dr. Ulrike Schrader an: Die Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge hatte in einem Schreiben an die Stadt bemängelt,dass der Textentwurf für eine „nüchterne Informationstafel“ geeignet sei, nicht aber für eine Gedenktafel: „Die Leser dieser Tafel werden, völlig zu recht, den Ausdruck einer moralischen Haltung der Urheber des Textes vermissen“, schreibt Schrader.

Sie halte es für notwendig, dass der „Unrechtscharakter der Erschießungsaktion“ ausgedrückt werde – erst dann „kann man von einer Gedenktafel sprechen“.

Lieselotte Bathia: „Dieser Text ist nicht hinnehmbar“

Lieselotte Bathia ging über diese Kritik aber noch hinaus: Der Textentwurf enthalte zudem auch eine ganze Reihe von Fehlern, bemängelte sie,
um den Text anschließend zu zerpflücken. Zugleich berichtet Bathia, dass der Verein Spurensuche von der „Kommission Kultur der Erinnerung“ ausgeladen worden sei. Zur CW kündigte sie an, dass der Verein einen Gegen-Textvorschlag machen werde:
„Das ist nicht hinnehmbar“, betonte Bathia, „das ist kein Text für eine würdige Gedenktafel“.

Etwas irritierend war, wie Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé die Diskussion abschloss: „Ich denke, wir sind in der Sache auf einem guten Weg“, sagte Abé – die Geschichte wird es zeigen.