Stellungnahme zum Gedenktafelentwurf f?r die Opfer im Burgholz

Artikel NRZ vom 15.9.1945

Stellungnahme zum Gedenktafelentwurf von Herrn Illner

(von Lieselotte Bhatia und Stephan Stracke)

Beginnen wir mit der Vorgeschichte:

Wir zitieren aus dem Protokoll der Kommission f?r eine Kultur des Erinnerns vom 04.05.2016:

?TOP 2 ? Erinnerungsort Burgholz

Herr OB Mucke schildert die Vorgeschichte. Die BV Cronenberg und verschiedene Initiativen (Frau Bathia, Verein zur Erforschung der sozialen Bewegung und Verein Spurensuche) w?nschen sich schon seit langem die Einrichtung eines Erinnerungsortes im Burgholz.

Lt. Herr Dr. Illner gebe es Differenzen bei der Einordnung der historischen Fragestellung und der Bewertung. Die Verbrechen im Burgholz m?ssten sehr sorgf?ltig historisch aufgearbeitet werden. Es gebe Akten des britischen Milit?rgerichts von Verfahren gegen Wuppertaler Kriegsverbrecher, die im Public Record Office in London-Kew aufbewahrt w?rden. Er sch?tzt, dass es auch Material in Washington gebe.

Es gehe nicht nur ein Schild, sondern die ganze Geschichte m?sse auch als Thema f?r Schulen ausf?hrlich und historisch einwandfrei dargestellt werden. (?)

Die Recherchen im Public Record Office in London-Kew sind zwischenzeitlich erfolgt.

Auf der Basis der dort gewonnenen weiteren Erkenntnisse wurde ein Textvorschlag f?r eine Gedenktafel erarbeitet, den ich Ihnen im Auftrag des Oberb?rgermeisters vorab zuleite (siehe Anlage).


Vorschlag f?r einen Text f?r die Gedenktafel f?r die Opfer im Burgholz (Illner)

Anfang M?rz 1945, amerikanische Truppen standen bereits am Rhein, mussten 24 Russen und sechs Russinnen, w?hrend des ?berfalls auf die Sowjetunion zwangsrekrutierte sogenannte ?Ostarbeiter?, im Morgengrauen an einer zuvor ausgehobenen Grube neben dem Polizeischie?platz Burgholz niederknien und wurden von mehreren Polizeibeamten mit Genickschuss hingerichtet und verscharrt. Vorausgegangen waren tagelange Verh?re, begleitet von Misshandlungen, mit dem Vorwurf, eine kriminelle Bande gebildet und ?berf?lle ver?bt zu haben. Ein im Polizeipr?sidium Wuppertal hastig einberufenes ?Standgericht? f?llte die Unrechtsurteile. Die Leichen der Opfer wurden im August 1945 aufgefunden und von der alliierten War Crimes Investigation Group exhumiert und auf dem Friedhof der reformierten Kirchengemeinde in Wuppertal-Cronenberg w?rdig bestattet.

14 an der Exekution beteiligte Gestapo- und Kriminalpolizeibeamte aus Wuppertal und D?sseldorf wurden am 22. Januar 1948 und drei rangh?here Verantwortliche am 20. Oktober 1948 in Hamburg von einem Britischen Milit?rgericht verurteilt. Einige der Hauptverantwortlichen hatten bereits 1945 Selbstmord ver?bt. Die f?nf Hauptt?ter, darunter zwei Polizisten, die sich freiwillig zur Exekution gemeldet hatten, wurden wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gem?? Kontrollratsgesetz Nr. 10 mit dem Tode bestraft, die ?brigen erhielten zum Teil langj?hrige Haftstrafen.

Zahlreiche Gnadengesuche, u.a. des K?lner Erzbischofs, Josef Kardinal Frings, der das Urteil des britischen Milit?rgerichts als dem ?deutschen Gerechtigkeitsgef?hl? widersprechend bezeichnete, f?hrten zu Strafmilderungen und schlie?lich zur Entlassung der Mitt?ter 1953. Die Hauptt?ter kamen 1953 und 1956 frei.

N?here Informationen sowie eine Quellendokumentation der Milit?rgerichtsverfahren von 1948 sind erh?ltlich ?ber das Stadtarchiv Wuppertal, E-Mail: stadtarchiv@stadt.wuppertal.de.?

Als Initiatoren des Burgholz-Gedenkens seit 2001 und des ?Erinnerungsortes Burgholz? m?chten wir wie folgt zum Entwurf Stellung nehmen:

Zu Recht fordert der Leiter des Historischen Zentrums Eberhard Illner, dass die Verbrechen im Burgholz (?) sehr sorgf?ltig historisch aufgearbeitet werden [m?ssten]. (...) Es gehe nicht nur [um] ein Schild, sondern die ganze Geschichte m?sse auch als Thema f?r Schulen ausf?hrlich und historisch einwandfrei dargestellt werden.?

Leider ist der vorgeschlagene Text der Gedenktafel aus unser Sicht nicht sorgf?ltig genug historisch aufgearbeitet und enth?lt auch eine Reihe von Fehlern, auf die wir aufmerksam machen m?chten. Auch fehlt weitgehend eine Einordnung in die (lokale) Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, insbesondere in die Verbrechensgeschichte der Polizei im Nationalsozialismus.

Das finden wir schade, weil wir einen Erinnerungsort im Burgholz favorisieren, der an das Schicksal der ermordeteten ZwangsarbeiterInnen erinnert und gleichzeitig ?ber die Verbrechensgeschichte der (Wuppertaler) Polizei im Nationalsozialismus informieren will. (siehe Anhang 2)

Dar?ber hinaus m?chten wir auf die Tafel zum Burgholzcase in der neuen Ausstellung
?Die Hamburger Curiohaus-Prozesse: NS-Kriegsverbrechen vor britischen Milit?rgerichten" hinweisen, die die KollegInnen der Gedenkst?tte Neuengamme erarbeitet haben. Ihnen gelingt es, die historischen und juristischen Zusammenh?nge darzustellen.
http://media.offenes-archiv.de/T32_Rathaus2017_RZ_neu_RM fg.pdf


Nun aber zu unseren Kritikpunkten:
(Die angef?hrten fotographischen Belege stammen von unserem Archivbesuch im National Archives in Kew im September 2015)

1. Zun?chst vermissen wir in einem Text f?r eine Gedenktafel eine ?berschrift zur Erinnerung an die Ermordeten. Auch fehlt unerkl?rlicherweise der Name des einzig namentlich bekannten Opfers, der Name von Helena Matrosova.

2. ?ber die Nationalit?t der Opfer wissen wir nur wenig. Weitgehend sicher ist, dass die Opfer als ?Ostarbeiter? in Deutschland zwangsarbeiten mussten und aus den L?ndern der Sowjetunion stammten. Helena Matrosova stammte z.B. aus Kiew und war also Ukrainerin. Einzelne Kripo-Beamte sagten aus, dass ein Teil der Ermordeten sich in der sog. Rostov-Bande zusammengeschlossen hatten, also m?glicherweise einen russischen Bezug hatten.
Die pauschale Charakterisierung der Opfer als ?Russen? ist aus heutiger Sicht nicht akzeptabel und wird insbesondere von den unabh?ngigen Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu Recht nicht mehr toleriert. Die ZwangsarbeiterInnen wurden aus der Ukraine, aus Wei?russland, Russland und (auch) aus den baltischen L?ndern deportiert. Auch wenn z.B. ukrainische, estnische oder wei?russische ZwangsarbeiterInnen in Wuppertal als ?Russen? oder in sog. Russengr?bern beerdigt wurden, sollten wir die Opfer heute als ukrainische, wei?russische und estnische Opfer benennen.
Die neue Hamburger Ausstellung zu den Curiohaus-Prozessen l?st das Problem der Staatsangeh?rigkeit im Wuppertaler Fall so: ?So erschoss Anfang M?rz 1945 eine Gruppe von Gestapo? und Kriminalbeamten 30 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion.?

3. Das Milit?rtribunal in Hamburg verurteilte am 22. Januar 1948 6 Personen zum Tode, wie Kopien aus dem National Archives in Kew und ein Zeitungsartikel belegen. (Westdeutsche Rundschau v. 24..1948, siehe die Anh?nge) Die Todesstrafen wurden aber nicht vollstreckt, das Todesurteil gegen Walter Br?ggemann wurde sogar schon am 14. Februar 1948 in eine Haftstrafe von 20 Jahren umgewandelt, die anderen Todesurteile wurden 1949 aufgehoben und die Strafen auf 16 Jahre reduziert.

4. Die ersten ?Mitt?ter? wurden bereits 1950 und 1951, nicht erst 1953 entlassen. (Kessler im Mai 1950, 1951 Michel, Padberg, Ober, Engemann, Neuhaus und Br?ggemann. Siehe BAK, JAG 301 Vol.II.

5. Die Leichen der Opfer wurden nicht von der ?War Crimes Investigation Group?, sondern von der ?French War Crimes Mission? bei der British Army of the Rhine, kurz BAOR unter der Leitung von Capitaine Ortlick exhumiert. (Siehe Obduktionsprotokoll und Zeitungsartikel NRZ v. 12.9.1945)

6. Im Text fehlt ein Hinweis zur unmittelbaren Vorgeschichte des Burgholz-Massakers.
Zum Verst?ndnis der Ereignisse verweisen wir auf unsere Ausf?hrungen in unserer Brosch?re Vergessene Orte:
http://www.wuppertaler-widerstand.de/vergessene_orte_trassentour_2_online.pdf

oder auf unsere Gedenktafel:

?In der Nacht vom 21. auf den 22. Januar 1945 kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall bei einem ?berfall auf G?terwagons im Bahnhof Wichlinghausen. Ein Reichsbahnangestellter und ein sowjetischer Zwangsarbeiter starben bei einem Schusswechsel. Wenige Tage sp?ter umstellten Polizei und Beamte der ?Reichsbahnfahndung? ein Haus, das in Heckinghausen von Zwangsarbeitern bewohnt war. Die Zwangsarbeiter waren bewaffnet und im?Feuergefecht mit russischen Banditen? starben zwei Russen und ein Polizist. Insgesamt wurden f?nf Polizisten bei dem Schusswechsel verwundet und ein weiterer Zwangsarbeiter wurde schwer verletzt. Nach den Ereignissen von Heckinghausen wurden insgesamt 80 sowjetische Zwangsarbeiter von der Gestapo festgenommen und ins Polizeipr?sidium verbracht.? (Text Gedenktafel Wichlinghausener Bahnhof)

7. Statt ?Einige der Hauptverantwortlichen hatten bereits 1945 Selbstmord ver?bt.?

Insgesamt drei Hauptverantwortliche, der Leiter der Wuppertaler Gestapo Josef Hufenstuhl, der Leiter der Kripo-Stelle Wuppertal Julius Baumann und der Kriminalpolizist Karl Orsin, der die Folterungen im Polizeigef?ngnis durchf?hrte, hatten vor dem Prozess Selbstmord begangen.

8. Das Datum der Hinrichtung ist nicht gesichert. Nach aktuellem Forschungsstand (Auswertung der Archivalien in Kew, Koblenz und Duisburg) gibt es Hinweise auf drei unterschiedliche Termine: Ende Februar/ Anfang M?rz 1945, 15. M?rz 1945 und der 20. M?rz 1945. M?glicherweise gab es auch mehr als eine Hinrichtung im Burgholz wie wir im Anhang 3 ausgef?hrt haben. http://www.njuuz.de/beitrag34035.html

9. Aus unseren Forschungen wissen wir, dass die im Burgholzcase Verurteilten keineswegs die unschuldigen Polizisten waren, wie sie sp?ter in den Gnadenkampagnen der gro?en Kirchen, der Polizeigewerkschaften und der rechten Parteien dargestellt wurden. Drei der T?ter (Wilhelm Ober, Kurt Engemann und Paul Neuhaus) waren vorher Mitglieder in Einsatzgruppen und waren in Massenverbrechen involviert. F?nf der T?ter (Klos, Beine, Peters, Br?ggemann, Michel) waren am Wenzelnberg-Massaker am 13. April 1945 beteiligt. Lorenz Waldorf ermordete am 12. oder 13. April 1945 gemeinsam mit einem anderen Gestapo-Beamten den Polizisten Peter Sch?fer in der N?he des Burgholz. Karl Orsin, der sich vor Prozessbeginn erh?ngte, war zur Gestapo in Kiel abkommandiert worden und war u.a. an der Hinrichtung von einem polnischen Zwansgarbeiter beteiligt. Erw?hnen sollte man auch die namhaften Wuppertaler Unterst?tzer der Burgholz-T?ter. Z.B. der ehemals NS-Verfolgte und sp?tere Caritas-Direktor Hans Carls oder Klaus Brauda, der als sog. Halbjude Zwangsarbeit im Krieg leisten musste. Carls lancierte pers?nlich das Begnadigungsgesuch der Ehefrauen der T?ter an Kardinal Frings, der CDU-Mitbegr?nder Klaus Brauda unterst?tzte als Mitglied des Polizeiausschuss die Wiedereinstellung von Burgholz-T?tern in den Polizeidienst und sprach von willk?rlichen Unrechtsurteilen der britischen Milit?rjustiz.
Nach der Haft gab es f?r die meisten Burgholz-T?ter keine Probleme mehr. Die aus der Haft Freigelassenen wurden als Sp?theimkehrer eingestuft und kehrten z.T. in den Polizeidienst zur?ck.

10. Am Gravierendsten ist unser Einwand gegen die Benutzung des Begriffs ?Standgericht?.
Dass ein Standgericht die 30 ZwangsarbeiterInnen zum Tode verurteilt habe, ist eine reine T?terbehauptung, die die T?ter entlasten sollte und die vor Gericht nicht bewiesen werden konnte. Die Behauptung ist zudem unplausibel, weil es nach ?bereinstimmenden Aussagen der T?ter und aller Zeugen eine 4-6 w?chige Untersuchung der Kripo gab, bevor die Hinrichtungen durchgef?hrt wurden. Das spricht eindeutig gegen die Formulierung, dass ein Standgericht hastig einberufen wurde.

Vielmehr muss man davon ausgehen, dass die Hinrichtungen im Burgholz wie bei vielen anderen sog. Endphaseverbrechen mit dem Instrument der ?Sonderbehandlung? legitimiert und ohne Gerichtsverfahren durchgef?hrt wurden. Am 26.1.1945 hatte Walter Albath verk?ndet, dass die ?Sonderbehandlung ausl?ndischer Arbeiter bei der besonderen Lage im Wehrkreis VI auch ohne vorherige Genehmigung des Reichssicherheitshauptamtes durchzuf?hren? sind. So kamen die T?tungsbefehle direkt ohne den Umweg nach Berlin ins Wuppertaler Polizeipr?sidium von den Dienstvorgesetzten der Wuppertaler Gestapo und Kripo, vom H?heren SS- und Polizeif?hrer West Karl Gutenberger, vom Inspekteur der Sicherheitspolizei im Wehrkreis Walter Albath oder vom Leiter der Gestapo-Leitstelle D?sseldorf Hans Henschke. U.A. wegen diesen Befehlen wurden im 2. Burgholz-Prozess Albath zu 15 Jahren Haft und Gutenberger und Henschke zu jeweils 12 Jahren verurteilt.

Genauere Ausf?hrungen im Anhang 4

Es w?re sehr sch?n, wenn unsere Hinweise in die Weiterbearbeitung der Gedenktafel einflie?en w?rden.

Bis dahin laden wir herzlich zu der 3. Gedenkwanderung ins Burgholz am 4. M?rz 2017 ein.

Lieselotte Bhatia

Stephan Stracke, Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V.

Artikel NRZ v. 15.9.1945
Artikel NRZ v. 15.9.1945

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Westdeutsche Rundschau, Text Burgholz
Artikel Auszug: Westdeutsche Rundschau, 24.1.1948

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Todesurteile
Todesurteile

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

( The National Archives Kew )

Anhang 1

Aus der Brosch?re: Vergessene Orte

http://www.wuppertaler-widerstand.de/vergessene_orte_trassentour_2_online.pdf

1944/1945 lag Wuppertal nach den alliierten Luftangriffen weitgehend in
Tr?mmern. Viele Fabriken, aber auch Zwangsarbeiter-Lager waren v?llig zerst?rt,
die Lebensbedingungen in Wuppertal wurden immer schlechter.
In dieser Situation versuchten viele ZwangsarbeiterInnen in ihre Heimatl?nder
zu fl?chten, oder sie tauchten in den Tr?mmerlandschaften unter. Die Untergetauchten
schlossen sich h?ufig zusammen, um den ?berlebenskampf besser bew?ltigen zu k?nnen. Da sie sich nicht offen zeigen konnten, waren sie gezwungen, Lebensmittel auf illegalem Weg ? auf dem Schwarzmarkt oder durch Diebst?hle ? zu beschaffen.
Ab etwa 1943 bestand ?ber den Widerstandsk?mpfer Karl Igstaedter ein
fester Kontakt zu einer Gruppe sowjetischer Zwangsarbeiter, die im Lokal
?Sch?tzengilde? untergebracht war und auf dem G?terbahnhof Wichlinghausen
Be- und Entladearbeiten verrichtete. Aus ihnen rekrutierten sich
offensichtlich auch die Zwangsarbeiter und entflohenen Kriegsgefangenen,
die Ende 1944 begannen, im Gro?raum Wuppertal bewaffnete Gruppen zu
bilden, die zum Teil illegal auf Tr?mmergrundst?cken lebten, Lebensmittel
requirierten und eine Reihe von Einbr?chen und ?berf?llen organisierten.

In der Nacht vom 21. auf den 22. Januar 1945 kam es zu einem folgenschweren
Zwischenfall bei einem ?berfall auf G?terwagons im Bahnhof Wichlinghausen.
Ein Reichsbahnangestellter und ein sowjetischer Zwangsarbeiter
starben bei einem Schusswechsel. Wenige Tage sp?ter umstellten Polizei
und Beamte der ?Reichsbahnfahndung? ein Haus, das in Heckinghausen von
Zwangsarbeitern bewohnt war. Die Zwangsarbeiter waren bewaffnet und im
?Feuergefecht mit russischen Banditen? starben zwei Russen und ein Polizist.
Insgesamt wurden f?nf Polizisten bei dem Schusswechsel verwundet
und ein weiterer Zwangsarbeiter wurde schwer verletzt.

Das Massaker im Burgholz

Nach den Ereignissen von Heckinghausen wurden insgesamt 80 russische
Zwangsarbeiter von der Gestapo festgenommen und ins Polizeipr?sidium
verbracht.

Die inhaftierten ZwangsarbeiterInnen wurden schwer gefoltert und zu Aussagen
erpresst, denen weitere Verhaftungen folgten. Alle Inhaftierten waren
nach Aussage der Gestapobeamten aus ihren Firmen geflohene ?Ostarbeiter?.
Sie h?tten sich von der Arbeit ferngehalten, um vom Stehlen zu leben.
Bei den ver?bten Verbrechen handele es sich um etwa 400 schwere Einbr?che
in Wuppertal, haupts?chlich auf Lebensmittelgesch?fte und Luftschutzkellern.
30 Personen aus dieser Gruppe, unter ihnen sechs Frauen, wurden
von Wuppertaler Kripo- und Gestapo-Beamten in der N?he des Polizei-
Schie?stands im Burgholz Ende Februar 1945 ermordet. Eine unbekannte
Anzahl wurde in Konzentrationslager wie Buchenwald deportiert.
 

Anhang 2

Erinnerungsort Burgholz
Am sogenannten Zimmerplatz am Rande des Wanderweges zum Polizei-
Schie?stand m?chten wir Informationstafeln zum Burgholz-Massaker
und zur lokalen Polizeigeschichte im Nationalsozialismus aufstellen.
Auf einer Tafel soll der genaue Ort des Massengrabes und der Standort
weiterer gefundener leerer Gruben kartiert werden. Per QR-Code soll auf
eine Internetseite verwiesen werden, die Hintergrundinformationen und
Bildungsmaterial zu den Massakern, den NS-T?tern aus Wuppertal, und zur
Wuppertaler Polizeigeschichte bereitstellt. Der Platz soll als Ausdruck der
W?rdigung der Ermordeten in Helena Matrosowa-Platz umbenannt werden.
Dieser Erinnerungsort soll auch ein historisch-politisches Bildungsangebot
f?r die Polizeiausbildung sein, sich an einem historisch-authentischen Ort mit
der Verbrechensgeschichte des eigenen Berufsstands auseinanderzusetzen.
 

Anhang 3

Weitere Massengr?ber im Burgholz ?

Bei einer Ortsbegehung stellte sich heraus, dass es in der N?he des des lokalisierten
Massengrabes acht weitere Gruben bis heute erkennbar sind.
M?glicherweise handelt es sich bei den entdeckten Gruben um weitere
Massengr?ber oder f?r Hinrichtungen vorbereitete Erdaush?be. Das m?sste
polizeilich bzw. von der zust?ndigen Staatsanwaltschaft in Dortmund untersucht
werden. Im Archiv und in privaten Dokumenten haben wir zus?tzliche
Hinweise auf weitere T?tungen gefunden:

Aussage Artur Hugendick vom 19.6.1947

?[Der Wuppertaler Kriminalbeamte] Ober trug an dem Tage die SD-Uniform.
Dabei fragte ich ihn, wie er zu dieser Uniform k?me, worauf er mir antwortete,
sie h?tten an dem fraglichen Tage im Burgholz mehrere Russen erschossen,
woran auch er teilgenommen h?tte. Hierbei ?u?erte er noch, dass das
eine ganz prima Angelegenheit w?re, und am kommenden Dienstag w?rden
weitere Erschie?ungen vorgenommen. Sofern ich Lust h?tte, w?rde er mich
dazu einladen. Ich habe dieses Ansinnen jedoch sofort abgelehnt, und wir
haben ?ber dieses Thema nicht weiter gesprochen.?

(Auszug aus der Personalakte Wilhelm Ober)

Mitteilung von H. Stursbeck vom 11.9.1945

An die Milit?rregierung Betr.: Mord auf dem Schie?stand-Gel?nde Burgholz.

Der Polizeimeister Hagemann [Hagemeier], der auf dem Schie?standgel?nde
im Burgholz stationiert ist, d?rfte als ehemaliges aktives Mitglied der
NSDAP sehr wohl in der Lage sein, weitere umfangreiche Aufkl?rungen in
der Mordsache an [?] [den] Ausl?nder[n] im Burgholz, sowie ?ber die Lage
weiterer Massengr?ber geben zu k?nnen. Hagemann [Hagemeier] hat nach
seinen eigenen ?u?erungen hin hierf?r von Fall zu Fall die erforderlichen
Vorbereitungen getroffen und hat selbst wie seine Tochter Inge Hagemann
[Hagemeier] in frivoler Weise immer wieder in der Nachbarschaft erz?hlt,
heute haben wir wieder eine Anzahl l?stige Ausl?nder ins Jenseits bef?rdert,
die brauchen wir nicht mehr am Fressen zu halten.? (National Archives Kew)

Es gibt weiterhin Handlungsbedarf !

Wir fordern eine gr?ndliche Untersuchung der Gruben und des benachbarten
Waldgebietes nach Munition und sterblichen ?berresten. Vielleicht k?nnen
dabei auch Experten des Volksbundes Deutsche Kriegsgr?berf?rsorge,
Arch?ologInnen oder Pater Patrick Desbois von Yahad ? In Unum weitere
Hilfestellungen geben.

Anhang 4

Eidessstattliche Erkl?rung von Walter Albath vom 16.7.1947

?Ich wei?, dass in Wuppertal Anfang 1945 (etwa im Februar oder M?rz) eine Bande von Russen durch Sonderbehandlung zum Tode verurteilt worden sind. Auf Grund meines Befehles vom 26. Januar 1945 kann das Urteil nur von dem zust?ndigen Gestapoleiter (in diesem Fall Hans Henschke von D?sseldorf) ausgesprochen worden sein.?

Dieser eindeutigen Belastung von Albath, dem damaligen Inspektor der Sicherheitspolizei und Vorgesetzten von Henschke versuchte der Gestapoleitstellenleiter Henschke im 2. Burgholzcase dadurch zu entgehen, dass er in seiner Aussage davon spricht, dass ein ?Gericht? (nicht Standgericht) zwei Tage in Wuppertal verbracht und die 30 Personen zum Tode verurteilt habe. Die Todesurteile habe er zur Best?tigung nach Berlin geschickt und den Gestapo-Chef von Wuppertal Hufenstuhl bereits angewiesen eine Exekution vorzubereiten.

Diese Verteidigungsstrategie versuchten die Anw?lte Henschkes durch Zeugenaussagen der Gestapo-Beamten Werner Pohlmann, Arthur Peters und eines Hans Schmitz zu untermauern. Pohlmann wusste vom H?rensagen, dass in Hufenstuhls B?ro eine Gerichtssitzung stattgefunden habe. Peters sagte aus, dass 10-12 Russen in Handschellen von Gef?ngnis in Hufenstuhls B?ro gebracht wurden, um sie einzeln hineinzuf?hren. Hans Schmitz von der Gestapoleitstelle gab drei Namen zu Protokoll, Capar, Baumann und Dr. Keil. Diese Personen sollen von Henschke nach Wuppertal zur Teilnahme an der ?Gerichtssitzung? in Hufenstuhls B?ro geschickt worden sein. Diese Angaben konnten vom Milit?rgericht nicht mehr verizifiert werden, weil ein Caspar nicht gefunden werden konnte, die Herren Baumann und Hufenstuhl Selbstmord begangen hatten und SS-Haupsturmf?hrer Dr. Gerhard Keil, Stellvertretender Leiter der Gestapoleitstelle und Leiter der Aussendienstelle der SIPO SD Nizza am 4. April 1945 in Gr?nebach bei Brilon im Sauerland gestorben ist.

Eidesstattliche Erkl?rung von Karl Wilhelm Beine: ?Obgleich ich 4 Wochen vorher bereits von der geplanten Erschiessung der Russen gewusst hatte, wusste ich nicht genau, ob sie zum Tode verurteilt waren und durch wen, nahm aber an, dass das Urteil auf die ?bliche Weise vom RSHA ausgesprochen worden war.?

Eidesstattliche Erkl?rung von Willy Orlob (H?ftling im Polizeigef?ngnis): ?Soweit ich wei?, sind diese Russen nicht von einem Gericht abgeurteilt worden.

Eidesstattliche Erkl?rung von Karl Orsin: ?Mir wurde sp?ter erz?hlt, da? der Befehl zur Erschie?ung vom Reichssicherheitshauptamt gegeben worden ist.?

Eidesstattliche Erkl?rungvon Arthur Peters: ?Am n?chsten Morgen erkl?rte der Kriminalrat Hufenstuhl auf der Dienststelle, da? die von der Kriminalpolizei verhafteten Russen zum Tode verurteilt seien, und da? die Erschie?ung an diesem Morgen stattfinden sollte. Ich habe nicht gefragt, von wem diese Russen zum Tode verurteilt seien, habe aber angenommen, da? dieses Urteil vom Reichsicherheitshauptamt ausgesprochen war.?

Eidesstattliche Erkl?rung von Lorenz Waldorf: ?Ein paar Tage sp?ter wurde uns Gestapobeamten durch Kriminalinspektor Koslowski amtlich mitgeteilt, da? es sich bei der Erschie?ung um eine rechtn??ige und ordnungsgem??ige Angelgenheit handele, und da? kein Beamter sich Sorgen zu machen Brauchte. Die Russen seien von Berlin, ?ber die Gestapo-Leitstelle D?sseldorf zum Tode verurteilt.?

Eidesstattliche Erkl?rungvon Gertrud Nitze: (Aufseherin im Polizeigef?ngnis Wuppertal): ?So viel ich wei?, hatten diese Russen keine Gerichtsverhandlung.?

Eidesstattliche Erkl?rung von Alfred Kessler: ?Mir war klar, da? die Russen erschossen werden sollten. Ich hatte geh?rt, da? diese Russen durch den Generalstaatsanwalt in L?ttringhausen zum Tode verurteilt waren, wei? aber nicht mehr, ob ich dies vor oder nach der Erschie?ung geh?rt habe.?

Eidesstattliche Erkl?rung von Albert Michel: ?Der Alte (Hufenstuhl) hat eben bekannt gegeben, da? diese M?rderbande zu Tode verurteilt worden ist. Er sagte nicht, von wem sie zu Tode verurteilt seien. Dann fuhren wir nach Burgholz.?

Eidesstattliche Erkl?rung von Paul Neuhaus: ?Es wurde gesagt, da? es sich um eine russische Bande handelte, und ich war der Meinung, da? sie von der h?chsten Gestapobeh?rde zum Tode verurteilt seien.?