76. Jahrestag der Deportation der Wuppertaler Sinti und Roma nach Auschwitz

01. März 2019

Willkommen zurück! Zigeunerkarawane mit dem Markus Reinhardt Ensemble - zum 76. Jahrestag der Deportation der Wuppertaler Sinti und Roma nach Auschwitz

12.00 Uhr Berliner Platz:

"Wenn wir die Geschichte aus Staub und Aschen wiederherstellen, dann darum, weil dieser Staub von unseren eigenen Füßen kam und die Asche von unseren Knochen." (Jimmy Storey)

Die Mobile OASE sorgt beim Gedenktag mit einer Aktion für eine poetische Brücke.

Die Künstlergruppe beginnt mit einer Intervention unter dem Motto WIE WEIT? SIEHST DU? auf dem Berliner Platz zwischen 12 und 13 Uhr.

Es folgt eine gemeinsame Zigeunerkarawane zum Peter Hansen-Platz.

Im Oasen-Wagen auf dem Vorplatz der Färberei liest der Schauspieler und Sprecher Olaf Reitz Gedichte aus der "Morgendämmerung der Worte", dem Poesie-Atlas der Roma und Sinti. Die Lesung erfolgt zwischen 13:15 und 13:45 Uhr und findet ihren Abschluß im Cafe der Färberei.

Auftritt des Markus Reinhardt Ensemble

Vorstellung der mobilen Ausstellung zur Verfolgung der Sinti und Roma im Bergischen Land und anschließend Karawane mit der mobilen OASE zur Färberei.

15:00 Uhr:

Gedenkfeier mit Konzert im Jugendzentrum  Heinrich Böll Straße 136. „In Erinnerung an die Wuppertaler Sinti und Roma, die am  3. März 1943 vom Klingholzberg nach Auschwitz deportiert wurden.“ „In Erinnerung an die BewohnerInnen vom Klingholzberg, die von den Nationalsozialisten verhaftet, misshandelt, zwangssterilisiert und ermordet wurden.“

Mit: – Andreas Mucke, Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal  (angefragt) – Helge Lindh, Bundestagsabgeordneter – Adriano Paßquali, Sohn des KZ-Überlebenden Karl Paßquali (Oldenburg) Konzert: Markus Reinhardt Ensemble

16:40 Uhr:

Busfahrt

17:00 Uhr:

Kranzniederlegung für die Deportierten am Polizeipräsidium, anschließend Gang zur Gedenktafel am Bahnhof Unterbarmen. An der Station Polizeipräsidium geht es uns um die Rolle der Wuppertaler Kriminalpolizei und des Polizeibeamten Paul Kreber.
Auf den Stufen des Polizeipräsidiums wollen wir Blumen für die Opfer niederlegen und ein kurzes Musikkonzert hören.

Die letzte Station ist der Bahnhof Unterbarmen, vom dem die Sinti und Roma nach Auschwitz deportiert wurden.

Veranstalter: Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal in Kooperation mit dem Jugendzentrum Heinrich Böll Straße, der mobilen OASE und der Färberei.

Markus Reinhardt wurde in Köln geboren, stand mit sechs Jahren das erste Mal auf einer Bühne und fuhr mit Familienmitgliedern von Auftritt zu Auftritt. Mit 16 Jahren hatte  er keine Lust mehr auf die traditionelle ungarische Zigeunermusik und Strauss-Walzer, für die seine Familie engagiert wurde. „Ich will nicht als Zigeuner, sondern als Musiker Geld verdienen“, habe er seinem entrüsteten Vater gesagt. Ein Jahr später gründete er mit zwei Cousins und seinem Bruder seine eigene Gruppe. Der heute 60-jährige Geiger und Familienvater hatte auch klassischen Unterricht, arbeitet mit modernen Komponisten und vielen bekannten Musikern. Seine Band heißt Markus Reinhardt Ensemble. Der Jazzgitarrist Django Reinhardt ist Markus’ Großonkel. Markus Reinhardt hat unter anderem „Zigeunerfestivals“ und zuletzt die „Zigeunerwagen-Tour“ durch Köln organisiert.  (www.zigeunerfestival.de)
„Aus der Familie meines Opas sind 14 Personen im KZ gewesen, sieben sind nicht wiedergekommen. Trotzdem hat die Familie gesagt: Egal, was passiert ist, wir bleiben hier. Sie waren nicht verbittert. Die Alten haben uns vermittelt: Es waren nicht alle Deutschen gleich, viele haben uns geholfen, selbst ihr Leben riskiert. Auf der anderen Seite gab es natürlich auch die vielen Momente, wo man zusammensaß und einfach nur geweint hat, weil die Hälfte der Familie fehlte.“
„Ihr dürft uns Zigeuner nennen. Die Vorsicht im Umgang mit dem Wort ist Blödsinn. Die neuen Begriffe haben Politiker erfunden. Wir Zigeuner haben uns krummgelacht, als man entschieden hat, dass man nicht mehr Zigeuner sagen darf.“